Das Geheimnis der Farbpsychologie im Webdesign

vonJanine Mösta
Farbe ist genau betrachtet nur eine Sinneswahrnehmung, doch der schnellste und einfachste Weg Eindruck zu hinterlassen. Meist unbewusst werden wir von einer Farbe beeinflusst, wir bewerten das Produkt oder sogar die Marke an sich teilweise durch diesen Eindruck. Was Sie zum richtigen Einsatz wissen müssen, erfahren Sie hier.

Die Auswahl der Farbe, auch Hausfarbe genannt, ist sowohl wichtig für das Marketing und die Werbung, aber auch entscheidend für den ersten, am besten, bleibenden Eindruck. Sie beeinflusst unsere Emotionen und unser Verhalten, wie das Kaufverhalten. So erwartet man bei einem Discounter die Farben Rot und Gelb, aber nicht bei einem hochwertigen Bioladen.

Unser Farbempfinden und dessen Interpretation ist subjektiv. Es basiert auf einem Zusammenspiel aus unserer Erziehung, dem kulturellen Hintergrund, dem Farbumfeld und den eigenen Vorlieben.

Mit dem Effekt der Farbwirkung beschäftigt sich die Farbpsychologie. Um sicherzustellen, dass die Farben auch das Ziel/die Botschaft ihres Unternehmens oder Produkts unterstützen, die Zielgruppe ansprechen und das gewünschte Verhalten bewirken, erhalten Sie hier einen kurzen Einblick über die Inhalte.

Um die Farben richtig auszuwählen, sind im Voraus ein paar grundlegende Informationen nötig.

Sie sollten Farben nur sparsam verwenden, höchstens drei bis vier Farben. Der Mensch kann nur maximal fünf Farben auf einmal wahrnehmen. Der Einsatz der Farbe erfolgt nach Wichtigkeit und sollte nur farbliche Akzente setzen.

# Leitlinien

Zur Farbauswahl sollten neben der Farbwirkung auch folgende Regeln/Leitlinien beachtet werden:

  • Gleichabständige Farbkombinationen:
    Grundlegend ist der 24-teilige Farbkreis, der aber auch weiter unterteilt sein kann. Anhand dessen werden 2-4 Farben ausgesucht. Entweder zwei Farben die komplementär sind, sprich sich gegenüberliegen oder 3 bis 4 Farben mit dem gleichen Abstand zueinander. Durch diese Auswahl erhalten Sie einen harmonischen Gesamteindruck.
  • Nebeneinander liegende Farbkombinationen:
    Farbharmonien entstehen durch die Auswahl von drei Farben, die im Farbkreis nebeneinander liegen.
  • Variation der Sättigung und Helligkeit:
    Gesättigte Farben erlangen die Aufmerksamkeit am schnellsten. Damit diese nicht konkurrieren, werden weniger gesättigte Farben mit der gesättigten Farbe kombiniert.

# Farbpsychologie – Farbwirkung

Die Farbwirkung kann grob in warme und kalte Farben unterteilt werden, was ohne Wertung passiert. Jede Farbe kann sowohl positive als auch negative Emotionen hervorrufen.

 

Warme Farben:

 

Rot:

Rot ist die Farbe der Liebe, des Blutes und Feuers. Sie hat eine starke Signalwirkung und steht außerdem für Wärme, Aktivität und Geschwindigkeit. Im Zusammenhang mit Lebensmitteln hat Rot eine appetitfördernde Wirkung. Sie wirkt auch anregend, intensiv, warm, aggressiv, leidenschaftlich und vermittelt Dringlichkeit, was den Spontankauf anregt.

Zu den negativen Assoziationen gehören neben Wut, Gefahr und Feuer, auch Gewalt und Kampflust. Manchmal ist aber genau diese Wirkung gewollt.

 

Orange:

Orange ist die Farbe der Freundlichkeit,  Aktivität und des Humors. Wie die anderen warmen Farben steht sie auch für Wärme und Energie. Teure Produkte wirken durch die Verwendung von der Farbe bezahlbar, sie erscheinen günstiger. Außerdem wirkt Orange aufregend, vital, verspielt, frisch und symbolisiert die jahreszeitliche Veränderung.

Zu den negativen Assoziationen gehören Feindseligkeit und Kampf.

 

Gelb:

Die Farbe Gelb steht für Optimismus, Kommunikation, Veränderung und Glück. Gelb strahlt wie die Sonne und vermittelt Heiterkeit, Freundlichkeit und Lebensfreude, aber auch Energie, Licht und Strom. Gelb erregt durch ihre leuchtende, strahlende Wirkung Aufmerksamkeit und wirkt zudem antreibend, was gezielt eingesetzt werden kann.

Je nach Farbton kann die Wirkung von Gelb sich unterscheiden, ob der Ton eher zu Gold tendiert und reif und wertig wirkt oder das Gelb sehr hell ist und aggressiv, feig und listig wirken kann.

 

Kalte Farben:

 

Grün:

Grün ist die Farbe der Hoffnung, der Gesundheit und Ausgeglichenheit. Sie wird mit der Natur und Wachstum gleichgesetzt, da Grün in der Natur die dominierende Farbe darstellt.
Durch diese Assoziationen wirkt Grün beruhigend, bodenständig und erfrischend. Sie steht aber auch für Ruhe, Harmonie, Erneuerung und Zuversicht.

Negative Assoziationen der Farbe sind Neid, Habgier, Eifersucht und wie das Sprichwort „Grün hinter den Ohren“ sagt, der Mangel an Erfahrung.

 

Blau:

Wasser, Weite und Tiefe werden mit Blau assoziiert, was die Phantasie und Sehnsucht anregt. Die Farbe Blau trägt zur Senkung des Blutdrucks bei, da sie entspannend, zuverlässig und ruhig wirkt. So wie Eis als Blau wahrgenommen wird, wirkt die Farbe auch stark, stabil und kalt. Aus diesem Grund findet sie häufig Anwendung bei Kühlprodukten und dem Thema Klima. Auch in der Technik und IT wird Blau häufig eingesetzt um Sicherheit und Vertauen zu vermitteln.

Zu den negativen Assoziationen gehören Depression, Distanz und Traurigkeit.

 

Violett:

Violett ist die Farbe der Spiritualität und des Reichtums, diese Wirkung rührt aus der historischen Vergangenheit. Hinzu kommt die einzigartige, extravagante und mystische Wirkung. Je nach Farbton steht die Farbe auch für Weiblichkeit. Sie regt nachweislich die Kreativität und Vorstellungskraft an.

Zu viel Extravaganz kann die Farbe auch verschwenderisch wirken lassen und je nach Kultur kann sie auch für Trauer stehen.

 

neutrale Farben:

 

Weiß:

Weiß verbindet man mit Hochzeit, Frieden und Neuanfang. Sie wirkt rein, unschuldig, neutral und sauber. Der Einsatz von Weiß im Design vermittelt Weite, Unbegrenztheit und separiert die Inhalte ordentlich durch die Wirkung der Weite. Wissenschaft und Klugheit werden auch mit der Farbe gleichgestellt.

Negative Assoziationen von Weiß sind Sterilität, Unpersönlichkeit und je nach Kultur kann sie auch für Trauer und Tod stehen.

 

Schwarz:

Schwarz wird mit Eleganz, Mode und Tiefe assoziiert. Der Einsatzbereich geht über  Schwarz als Schriftfarbe hinaus, die Farbe eignet sich gut als Hintergrundfarbe für Weiß und helle Farben, auch für Gold und Silber. Moderne und edle Produkte werden oft in schwarz gehalten. Außerdem symbolisiert sie Stärke, Stabilität und wirkt seriös und zeitlos.

Zu den negativen Assoziationen gehören Pech, Boshaftigkeit, Tod, Trauer und Dominanz.

#Fazit

Die Grundlagen zum richtigen Einsatz von Farben haben Sie jetzt. Die Farbpsychologie ist nicht die einzige Grundlage zur Auswahl, auch die Historie kann eine wichtige Rolle spielen.
Es gibt keine konkreten Regeln für die Wahl einer Farbe. Bei Designern sind Regeln manchmal dazu da, gebrochen zu werden. Manchmal ist es auch wichtig auf sein Bauchgefühl zu hören.

Quellen

Joachim Böhringer, P. Schlaich und Peter Bühler, Kompendium der Mediengestaltung, 2011